Handel mit und Ausbeutung von Kindern

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Handel mit und Ausbeutung von Kindern 2019-09-27T14:29:29+00:00

Handel mit und Ausbeutung von Kindern

Handel mit Kindern ist eine Straftat mit unterschiedlichen Erscheinungsformen. Das Phänomen beschränkt sich nicht auf einzelne Länder oder Regionen, auch in Deutschland fallen Kinder dem Menschenhandel zu Opfer.

Was ist Handel mit Kindern?

Handel mit Kindern ist das Anwerben, Beherbergen oder anderweitige Aufnehmen, Befördern, Anbieten oder Weitergeben einer minderjährigen Person zum Zweck der Ausbeutung. >>

Wie viele Kinder sind betroffen?

Menschenhandel, auch mit Kindern, ist eines der am schnellsten wachsenden Delikte weltweit. Gleichzeitig birgt das Phänomen ein schwer messbares Dunkelfeld und so können z. B. Statistiken nur bedingt Auskunft geben, da viele Fälle niemals aufgedeckt, zur Anzeige gebracht oder abgeschlossen werden. >>

Wo liegt der Unterschied zwischen Menschenhandel und Schleusung?

Grenzüberschreitender Menschenhandel und Schleusung von Menschen sind zwei unterschiedliche Deliktbereiche, die jedoch häufig miteinander verwechselt werden. >>

Wie können wir Kinder schützen und Betroffene unterstützen?

Der erste Schritt für den Schutz und die Unterstützung betroffener Jungen und Mädchen ist, sie als Opfer des Kinderhandels zu erkennen. Danach kommt es auf eine gute Kooperation der Akteure an. >>

Das Bundeskooperationskonzept

Durch die Ratifizierung des Übereinkommens des Europarats zur Bekämpfung des Menschenhandels hat sich die Bundesregierung verpflichtet, gezielte Koordinierungs- und Kooperationsmaßnahmen gegen Menschenhandel mit Minderjährigen auf den Weg zu bringen. >>

Kontakt und Servicestellen

Sollten Sie einen Verdacht oder einen Fall des Handels mit und der Ausbeutung von Kindern haben finden Sie hier die Liste mit spezialisierten Ansprechpersonen verschiedener Fachbereiche. >>

Was ist Handel mit Kindern?

Handel mit Kindern ist das Anwerben, Beherbergen oder anderweitige Aufnehmen, Befördern, Anbieten oder Weitergeben einer minderjährigen Person zum Zweck der Ausbeutung.

Wer ist betroffen?
Betroffen sind alle Altersgruppen, von Neugeborenen bis hin zu 17-Jährigen, und Kinder jeglichen Geschlechts. In manchen Fällen sind sogar unter 21-Jährige besonders schutzbedürftig, beispielsweise vor sexueller Ausbeutung in der Prostitution.

Erscheinungs­formen
Erscheinungs­formen sind der Handel mit Kindern und Jugendlichen zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Begehung strafbarer Handlungen (u. a. Drogenhandel, Diebstahl), der Bettelei oder des Organhandels, der Ausbeutung der Arbeitskraft oder der Adoption. Deutschland ist dabei hauptsächlich Ziel- und Transitland für gehandelte Kinder und Jugendliche, die vorwiegend aus dem süd-osteuropäischen, afrikanischen und arabischen Raum stammen.

Betroffene werden häufig nicht als Opfer erkannt!
Im internationalen Kontext ist „Child Trafficking“ gemäß dem Zusatzprotokoll zur Kinderrechts­konvention der Vereinten Nationen klar definiert. Im deutschen Strafgesetzbuch (StGB) fasst der Begriff „Handel mit Kindern“ hingegen nur den Adoptionshandel nach §236 StGB. Die Mehrzahl der relevanten Ausbeutungsform des Handels mit Kindern finden sich sich im StGB daher unter anderen Begriffen und Paragraphen. Dies bedeutet, dass von Gewalt betroffene Kindern immer wieder nicht als Opfer des Menschenhandels wahrgenommen werden.

Wie viele Kinder sind betroffen?

Menschenhandel, auch mit Kindern, ist eines der am schnellsten wachsenden Delikte weltweit. Gleichzeitig birgt das Phänomen ein schwer messbares Dunkelfeld und so können z. B. Statistiken nur bedingt Auskunft geben, da viele Fälle niemals aufgedeckt, zur Anzeige gebracht oder abgeschlossen werden.

Internationale Studien liefern nur ungefähre Angaben
Mit Hilfe von internationalen Berichten und Studien lassen sich nur ungefähre Angaben machen. Diese Erhebungen sind meist nicht direkt miteinander vergleichbar: Teils basieren sie auf reinen Schätzungen, teils auf identifizierten Fällen von Menschenhandel. Zudem variieren die Zahlen je nach Definitionsrahmen (Zwangsarbeit vs. Menschenhandel) und je nach methodologischer Herangehensweise einer Erhebung.

Europa
Für den europäischen Raum berichtet Eurostat im Zeitraum 2010-2012 von 30.146 behördlich registrierten Fällen von Menschenhandel. Davon waren 80 Prozent der Betroffenen weiblich, 16 Prozent minderjährig, und zwei Prozent zwischen null und elf Jahren alt.

Deutschland
Für Deutschland gibt es bisher keine umfassenden Fallzahlen und Statistiken, da die Justiz keine Daten zu Strafverfahren zum Thema Menschenhandel mit Minderjährigen erhebt bzw. veröffentlicht. Die einzig verlässlichen Zahlen liefert das Bundeslagebild Menschenhandel des Bundeskriminalamtes (BKA). Es enthält allerdings nur Daten aus abgeschlossenen Ermittlungsverfahren.

Fallzahlen aus dem Jahr 2018 (Deutschland)

Insgesamt gab es einen Anstieg um 14 Prozent auf 386 Ermittlungsverfahren mit 503 Betroffenen des Menschenhandels, verglichen zum Vorjahr. Auch sind die Verfahrenszahlen bei Kindern und jugendlichen Opfern auf 149 Verfahren (2017: 134; +11,2 %) mit 172 minderjährigen Opfern (+0,6 %) gestiegen. Ein Großteil der Verfahren (142) wurde wegen der kommerziellen sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen geführt – ein Anstieg um 10,9 %. Die Loverboy-Methode spielt nach wie vor eine bedeutende Rolle in der Anwerbung und Täuschung von Minderjährigen und jungen Frauen.

Das BKA betont: „Insbesondere die Opfergruppe der Minderjährigen und Heranwachsenden muss behördenübergreifend mit besonderen Bekämpfungs- und Präventionsmaßnahmen vor Ausbeutung geschützt werden. Die Tatbegehungsweisen und Umstände, die sich Täter zunutze machen, um Minderjährige in unterschiedlicher Weise auszubeuten, sind wichtige Anknüpfungspunkte für eine wirksame Bekämpfung des Phänomens. Aus diesem Grund kommt dem Projekt zur Bekämpfung der Ausbeutung von Minderjährigen und Heranwachsenden eine große Bedeutung zu. Initiativen wie das gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erarbeitete Bundeskooperationskonzept ‚Schutz und Hilfen bei Handel mit und Ausbeutung von Kindern‘ sind weitere wichtige Bausteine.“

Wo liegt der Unterschied zwischen Menschenhandel und Schleusung?

Grenzüberschreitender Menschenhandel und Schleusung von Menschen sind zwei unterschiedliche Deliktbereiche, die jedoch häufig miteinander verwechselt werden.

Was ist Schleusung?
Schleusung bezeichnet die illegale Beförderung von Personen gegen Entgelt über Landesgrenzen hinweg. Dies kann zwar unter gefährlichen und unwürdigen Bedingungen erfolgen, jedoch hat die geschleuste Person zu dieser Handlung ihre Zustimmung gegeben und ist nach ihrer Ankunft frei.

Was ist Menschenhandel?
Opfer von Menschenhandel hingegen haben dem grenzübergreifenden Transport nicht zugestimmt oder haben der Schleusung nur zu Beginn eingewilligt. Sobald Täter_innen sie mittels Zwang, Täuschung oder Missbrauch in (eine) ausbeuterische Situation(en) bringen, wird ihre Zustimmung zur Schleusung bedeutungslos – es handelt sich dann um Menschenhandel. Ob ein Grenzübertritt stattgefunden hat oder nicht, hat hierbei keine Relevanz mehr, da für das Delikt Menschenhandel die Ausbeutung das strafrechtlich entscheidende Element ist.

Wie können wir Kinder schützen und Betroffene unterstützen?

Der erste Schritt für den Schutz und die Unterstützung betroffener Jungen und Mädchen ist, sie als Opfer des Kinderhandels zu erkennen. Danach kommt es auf eine gute Kooperation der Akteure an.

Kinder und Jugendliche, die von Menschenhandel betroffen sind, geben sich selten von sich aus als Betroffene zu erkennen. Dies kann folgende Gründe haben:

  • Kinder sehen sich selbst nicht als Opfer von Ausbeutung oder Handel mit Kindern, insbesondere in folgenden Situationen:
    • Mädchen, die sog. Loverboys zu Opfer gefallen sind, wähnen sich in einer Liebesbeziehung und erkennen nur schwer die damit verbundene Ausbeutung.
    • Kinder, die von ihren Eltern oder Familienangehörigen ausgebeutet werden, stehen unter deren Einfluss oder in emotionaler, finanzieller oder de facto Abhängigkeit.
    • Kinder, die zum Begehen von Straftaten gezwungen werden, glauben, dass sie von der Polizei dafür bestraft werden.
  • Betroffenen Kindern und Jugendlichen fällt es schwer, sich Erwachsenen anzuvertrauen. Oft haben sie Angst vor:
  • fremden Erwachsenen, der Polizei und Behörden
  • Bestrafung für die Straftaten, die sie begangen haben
  • Abschiebung/Rückkehr ins Herkunftsland
  • JuJu oder anderen traditionellen Ritualen
  • einer moralischen Verurteilung durch ihre Familie oder gesellschaftliche Bezugsgruppe
  • Bloßstellung und Aufdeckung der Ausbeutung, für die sie sich schämen

Häufig geben Menschenhändler Kindern und Jugendlichen fiktive Geschichten vor, die sie im Fall des Kontakts zu Behörden erzählen müssen. Manchmal können die Aussagen Minderjähriger daher auch unstimmig oder unglaubwürdig wirken. Fach­kräfte müssen eine mögliche Traumatisierung des betroffenen Kindes in Erwägung ziehen.


Fachkräfte sensibilisieren, Zusammenarbeit stärken!
Fachkräfte sollten daher sensibilisiert sein, um mögliche Anzeichen von Handel mit Kindern zu erkennen und Handlungssicherheit im Umgang mit Betroffenen zu erlangen. Eine Identifizierung betroffener Minderjähriger ist der erste Schritt, um Opferrechte zu verwirklichen und angemessenen Schutz und eine effektive Strafverfolgung in die Wege zu leiten. Minderjährige Opfer von Menschenhandel müssen alle notwendigen Hilfen des Kinderschutzsystems erhalten. Dafür ist eine koordinierte, vertrauensvolle und am Kind orientierte Zusammenarbeit von Jugendämtern, Polizei, Fachberatungsstellen und weiteren Akteuren notwendig. ECPAT unterstützt Sie gerne mit Vernetzungs- und Sensibilisierungsworkshops – bitte sprechen Sie uns direkt an.

Das Bundeskooperationskonzept

„Schutz und Hilfen bei Handel mit und Ausbeutung von Kindern“

Durch die Ratifizierung des Übereinkommens des Europarats zur Bekämpfung des Menschenhandels hat sich die Bundesregierung verpflichtet, gezielte Koordinierungs- und Kooperationsmaßnahmen gegen Menschenhandel mit Minderjährigen auf den Weg zu bringen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten sowie Fachkräften aus der Praxis haben das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und ECPAT Deutschland Empfehlungen für eine koordinierte, vertrauensvolle und am Kind orientierte Zusammenarbeit von Jugendamt, Polizei, Fachberatungsstellen und weiteren Akteuren zur Identifizierung und zum Schutz von Opfern des Kinderhandels erarbeitet.

Das Bundeskooperationskonzept versteht sich als eine Empfehlung für eine verbesserte Kooperation im Kinderschutz in den Bundesländern, die den Blick auf Handel mit und Ausbeutung von Kindern öffnen möchten (um zum Konzept zu gelangen auf „Bundeskooperationskonzept“ klicken).

Tipp: Einige der im KOK organisierten Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel haben auch mit minderjährigen Betroffenen Erfahrung und stehen allen Fachkräften begleitend zur Verfügung.

Erklärvideo zum Bundeskooperationskonzept

Viele Fachakteure wie die Polizei, Jugendämter, Staatsanwaltschaft, BAMF, Fachberatungsstellen und SozialarbeiterInnen haben den Bedarf der Sensibilisierung zum Thema erkannt und sprechen sich klar für eine kooperative Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure aus. In einem kurzen Video wird aufgezeigt, inwiefern das Bundeskooperationskonzept hierbei unterstützen kann.

Kontakt und Servicestellen

Sollten Sie einen Verdacht oder einen Fall des Handels mit und der Ausbeutung von Kindern haben finden Sie hier eine Liste mit spezialisierten Ansprechpersonen aus (zumindest) den Fachbereichen:

  • Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel
  • Spezialisierte Beratungsstellen zu sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen
  • Polizeiliche Ansprechstellen
  • Anwaltliche Beratungsstellen
  • Mädchenzufluchtshäuser
  • Migrationsberatungsstellen
  • Anlaufstellen für Jungen als Betroffene sexualisierter Gewalt

Die aufgeführten Servicestellen sind nach Fachbereichen pro Bundesland sortiert. Eine Gewähr auf Vollständigkeit ist nicht gegeben, das Dokument wird jedoch halbjährlich aktualisiert. Zum Öffnen des Dokuments klicken Sie bitte auf Service- und Kontaktstellen BKK.

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