Kinderrechte sind Menschenrechte

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass auch Kinder von klein auf Menschenrechte haben. Dieser Grundgedanke führte 1989 zur Ratifizierung der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die bisher von allen Ländern - außer den USA und Somalia - unterzeichnet wurde. Die Staaten haben sich mit der Unterzeichnung verpflichtet, die Rechte der Kinder zu wahren.

Die 54 Artikel der UN Kinderrechtskonvention legen die persönlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte für alle Kinder verbindlich fest, ungeachtet von ihrer Hautfarbe, von ihrem Geschlecht, der Religion oder ihrer Herkunft.

Jedes Kind hat zum Beispiel:

 

  • Das Recht auf Überleben, um sich die Erfüllung ihrer existentiellen Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnung und Zugang zu medizinischer Versorgung zu sichern.


  • Das Recht auf Entwicklung, um sich optimal entfalten zu können. Dazu gehören das Recht auf Bildung, auf Freiheit des Denkens und der Religionsausübung.


  • Das Recht auf Schutz vor Misshandlung und Folter, vor Vernachlässigung und Ausbeutung, vor der Beteiligung an bewaffneten Konflikten und Drogenmissbrauch, vor Kinderarbeit und sexueller Ausbeutung. Kinder haben das Recht, vor jeder Form des Missbrauchs bewahrt und geschützt zu werden.


  • Das Recht auf Mitbestimmung - dazu gehören das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Mitbestimmung in Dingen, die das Leben der Kinder betreffen, aber auch das Recht einer Vereinigung beizutreten und sich friedlich zu versammeln.

 

Bis zu welchem Alter ist ein Kind "ein Kind"?

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts galten nur Personen unter 12 Jahren als Kind. Nach Artikel 1 der UN-Kinderrechtskonvention ist jeder Mensch unter 18 Jahren ein Kind. Die ILO-Konvention legt die Altersgrenze bei 15 Jahren fest. Diese Altersbestimmung hat für die Stärkung der Kinderrechte weitreichende Auswirkungen. Gleichzeitig haben nationale Gesetze Vorrang vor internationalen Abkommen. Viele nationale Verfassungen schreiben ein Höchstalter von nur 14 Jahren fest, was den Schutz der Kinder und ihre Rechte erheblich einschränkt.

Kind sein ohne Kindheit!

Kindheit wird nicht nur durch Gesetze definiert; sie wird vor allem durch Kultur, Religion, Nationalität und soziale Zugehörigkeit geprägt. Damit sieht sie von Land zu Land unterschiedlich aus . Nicht überall wird Kindheit als eigenständiger Lebensabschnitt angesehen - als Schonfrist, in der Kinder heranwachsen, lernen und sich entfalten können. Kindheit wird in Lateinamerika, wo soziale Netze und Familienstrukturen nur noch sehr eingeschränkt existieren, ganz anders erlebt als in Afrika, wo solche Bindungen noch weitgehend intakt sind. Oder wie in der westlichen Welt, wo die meisten Kinder unbeschwert und sehr behütet aufwachsen können.

Viele Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie zum Beispiel der Umgang mit gefährlichen Gegenständen, die Kindern in den Industrieländern erst behutsam beigebracht werden, gehören für Kinder in den Ländern des Südens ganz selbstverständlich zum Alltag. Sie wachsen damit auf. Vor allem Kinder aus armen Verhältnissen müssen schon früh wichtige Verantwortungen in den Familien übernehmen oder zum Lebensunterhalt beitragen. Schon Achtjährige arbeiten mitunter zehn Stunden am Tag und mehr. Obwohl nationale Gesetze dies verbieten. Sie verrichten zum Teil sehr gefährliche und gesundheitsschädliche Tätigkeiten. Straßenkinder, die ohne jegliche familiäre Bindung aufwachsen, schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch und sind schutzlos der Gewalt der Straße ausgeliefert.

Kindheit wird auch durch das Geschlecht geprägt: Mädchen werden oft als minderwertige Mitglieder der Gemeinschaft angesehen. In vielen Ländern gehören sie nach der Hochzeit meist zur Familie des Mannes. Wozu also in die Bildung eines Mädchen investieren, wenn es im Haushalt oder beim Mitverdienen viel nützlicher sein kann? Durch solche traditionellen Überzeugungen werden insbesondere Mädchen benachteiligt.

Nach der UN-Kinderrechtskonvention soll "das Kind zur vollen und harmonischen Entfaltung seiner Persönlichkeit in einer Familie und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen." Welch eine Idealvorstellung! Der Alltag der meisten Kinder sieht - vor allem in Ländern des Südens - ganz anders aus. Dort sind Armut, Ausbeutung und Gewalt harte Realität. Nicht einmal ihr Existenzminimum und damit ihr Überleben sind gesichert. Politische und wirtschaftliche Strukturen verhindern eine Kindheit, die wie bei uns eine Schonfrist, in welcher der Mensch lernen und reifen kann, ist.