Die Geschichte von ECPAT

Der Weg von der Kampagne gegen Kinderprostitution im Tourismus zur Arbeitsgemeinschaft gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern

Den Stein ins Rollen brachte die von kirchlichen Organisationen in Auftrag gegebene Studie »Caught in Slavery« (Gefangen in Sklaverei). Sie wurde 1990 vorgestellt auf einem Kongress in Chiang Mai (Thailand) und dokumentierte zum ersten Mal das erschreckende Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Prostitutionstouristen in Asien.

Durch die Ergebnisse dieser Studie aufgerüttelt gründeten Frauengruppen, Kinderschutzinitiativen, entwicklungspolitische und kirchliche Organisationen noch im selben Jahr eine Kampagne unter dem Namen ECPAT »End Child Prostitution in Asian Tourism« (Beendet Kinderprostitution im Tourismus Asiens). Hauptziel von ECPAT war von Anfang an, die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern zu bekämpfen. ECPAT fördert die Kinderrechte und trägt mit verschiedenen Mitteln zu einer weltweiten Bewusstseinsbildung über das Problem bei, sodass konstruktive Maßnahmen gegen den Handel mit sexueller Ausbeutung von Kindern ergriffen werden können.

Nichtregierungsorganisationen in den Herkunftsländern des Tourismus wurden aufgefordert, sich an der Kampagne zu beteiligen. Mit breit angelegten Öffentlichkeitskampagnen gelang es ECPAT zu vermitteln, dass Kinderprostitution, Kinderpornografie und Kinderhandel in allen Teilen der Welt für viele Kinder eine brutale Lebenserfahrung darstellen und nicht weiter stillschweigend geduldet werden dürfen. Die weltweite Vernetzung und die enge Zusammenarbeit mit international tätigen Organisationen und Verbänden war von Anfang an ein wichtiger Ansatzpunkt, um der internationalen Dimension der sexuellen Ausbeutung von Kindern wirksam entgegentreten zu können.

Seit 1999 steht ECPAT für »End Child Prostitution, Pornographie and Trafficking for Sexual Purposes«. Damit wird deutlich, dass sich ECPAT für die Rechte der Kinder überall in der Welt einsetzt, wo es um Kinderprostitution, Kinderpornografie und Kinderhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung geht.

Alle dem Netzwerk angeschlossenen nationalen Gruppen und Organisationen führen den Namen ECPAT. Das neue, umfassendere Selbstverständnis von ECPAT beinhaltet den Anspruch, das Thema im erweiterten Kontext von Sexualität, Sozialisation und (männlichen) Herrschaftsmustern insgesamt anzugehen.

Die Geschichte von ECPAT Deutschland

In Deutschland schlossen sich 1991 verschiedene Hilfswerke und Organisationen zu einer auf drei Jahre befristeten nationalen Kampagne gegen sexuellen Missbrauch durch Touristen zusammen. Nach Ablauf der kurzen Zeit war klar, dass es bis zur erfolgreichen Eindämmung der Kinderprostitution weiterhin ein langer schwieriger Weg sein wird. Seit 1994 führen die Organisationen und Gruppen ihre Arbeit als "Arbeitsgemeinschaft gegen Kinderprostitution im Sextourismus".

Heute ist ECPAT Deutschland e.V. ein bundesweiter Zusammenschluss von 29 Mitgliedsorganisationen, die zum Schutz der Kinder vor kommerzieller sexueller Ausbeutung zusammenarbeiten. Die Aktivitäten des Vereins und seiner Mitgliedsorganisationen sind Teil der empfohlenen Strategie und beruhen auf dem Stockholmer Aktionsplan zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung und der UN-Kinderrechtskonvention.

Die ausführlichen Dokumentationen der Kongresse von Stockholm und Yokohama und ihrer Ergebnisse sind als epd-Dokumentationen erschienen und können bei uns bestellt werden.