ECPAT Deutschland e.V. nahm vom 20. bis 21. April 2026 an der 26. Konferenz „The Rise of Forced Criminality: Addressing a Security Blind Spot“ der Alliance against Trafficking in Persons der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Hofburg in Wien teil. Im Mittelpunkt der Konferenz stand eine Form des Menschenhandels, die bislang häufig unterschätzt wird: die Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen zur Begehung von strafbaren Handlungen. Minderjährige werden gezielt für Delikte wie Diebstahl, Drogenhandel oder sogenannte „Violence as a Service“ angeworben. Dabei werden sie oft nicht als Betroffene von Menschenhandel und Ausbeutung identifiziert, sondern als Täter*innen kriminalisiert.
„Violence as a Service“: Neue Herausforderungen für den Kinderschutz
Bei „Violence as a Service“ lagern kriminelle Netzwerke die Vorbereitung und Durchführung von Gewalthandlungen gegen Bezahlung an Dritte aus. Häufig werben sie Minderjährige oder junge Erwachsene an, die dann Drohungen, Sachbeschädigungen, Angriffe oder Tötungsdelikte gegen Bezahlung oder Geschenke ausführen. Nicht selten müssen sie ihre Taten durch Fotos oder Livestreams dokumentieren. Die Rekrutierung erfolgt oft über soziale Medien, Online- und Gaming-Plattformen oder Messenger-Dienste. Die Betroffenen werden dabei manipuliert, eingeschüchtert oder unter Druck gesetzt. Sie erfahren Gewalt, geraten in eine Zwangslage oder in Abhängigkeitsverhältnisse zu den Täter*innen. Die Minderjährigen oder jungen Erwachsenen haben zuvor meist keine Vorstrafen und stehen meist in keiner Verbindung zu den Anwerbenden oder kriminellen Gruppen.
Betroffene erkennen und schützen
Vor diesem Hintergrund wurden auf der Konferenz zentrale Handlungsbedarfe hervorgehoben:
- Stärkung der frühzeitigen Identifizierung betroffener Minderjähriger, unter anderem durch gezielte Schulungen von Fachkräften.
- Konsequente Anwendung des Non-Punishment-Prinzips, damit Betroffene nicht für Straftaten bestraft werden, zu denen sie gezwungen wurden, sondern stattdessen adäquate Unterstützung erhalten.
- Ausbau kindzentrierter Schutz- und Unterstützungsstrukturen.
Deutlich wurde zudem, dass ein menschenrechtsbasierter Ansatz sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Strafverfolgungsbehörden, Fachberatungsstellen, Kinder- und Jugendhilfe, Politik und internationalen Organisationen entscheidend sind, um Schutzlücken zu schließen und um wirksam gegen die Ausbeutung zur Begehung von strafbaren Handlungen vorzugehen.
Für ECPAT Deutschland bleibt es zentral, die Rechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen und gemeinsam mit Partnerorganisationen konkrete Veränderungen anzustoßen.
Weitere Informationen zur Konferenz unter: https://cthb.osce.org/event/alliance26
Weitere Studien zur Vertiefung:
- HEUNI Policy Brief zur Studie: “Between Victimhood and Offending: A Nordic Scoping Study on the Links Between Youth Criminal Exploitation and Trafficking” (2026)
- Centrum kinderhandel & mensenhandel (CKM) Studie zu “Changing Perspectives: An exploratory study into criminal exploitation in 13 large and medium-sized Dutch municipalities” (2022)


