Freiburg, 06.07.2026 – ECPAT Deutschland veröffentlicht eine neue Studie zur wachsenden wirtschaftlichen Dimension digitaler sexualisierter Gewalt und Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen. Dabei wird klar: Der Finanzsektor kann ein entscheidender Partner im Kinderschutz werden. Statt kriminelle Finanzströme ungewollt zu ermöglichen, haben Banken und Zahlungsdienstleister die Chance, sie frühzeitig zu erkennen und so einen wirksamen Beitrag zum Schutz Betroffener und zur Verfolgung von Tatpersonen zu leisten.

Die digitale Welt ist für Kinder und Jugendliche selbstverständlicher Teil ihres Alltags – und zugleich entstehen dort neue Formen von Risiken. Digitale sexualisierte Gewalt und Ausbeutung nehmen in Umfang, Dynamik und Komplexität massiv zu: Weltweit sind pro Jahr über 300 Millionen Kinder und Jugendliche betroffen. Allein in Deutschland gingen 2025 bei der Meldestelle jugendschutz.net knapp 14.000 Meldungen zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im digitalen Raum ein.

Eine wachsende und bislang zu wenig beachtete Dimension dieses Phänomens ist die wirtschaftliche Dimension: Finanzielle Transaktionen sind heute vielfach zentrale Voraussetzung und Triebkraft digitaler Gewalt und Ausbeutung – ob bei kommerzieller sexueller Ausbeutung per Livestreaming, finanziell motivierter sexueller Erpressung oder sogenannten „Taschengeld-Treffen”. Wie gravierend die Folgen kleiner Beträge sein können, zeigt sich besonders bei der finanziell motivierten sexuellen Erpressung: 2025 meldete allein das US-amerikanische National Center for Missing and Exploited Children im Schnitt 137 Fälle pro Tag – ein Anstieg von 37 % gegenüber dem Vorjahr – und dokumentierte knapp 30 Suizide betroffener Minderjähriger im Zusammenhang mit dieser Gewaltform.

Doch wo Geld fließt, entstehen auch Spuren. Finanztransaktionen ermöglichen nicht nur Ausbeutung, sondern liefern zugleich Hinweise auf Strukturen, Netzwerke und Tatdynamiken – und damit wichtige Ansatzpunkte für Prävention, Aufdeckung und Strafverfolgung. Genau hier setzen die neue Studie von ECPAT Deutschland an.

Die von Dirk Findeisen verfasste Studie verbindet eine umfassende internationale Literaturrecherche mit qualitativen Interviews aus Strafverfolgung, Finanzdienstleistung und Zivilgesellschaft. Sie identifiziert charakteristische Transaktionsmuster – etwa Mikrotransaktionen, sequenzielle Zahlungsfolgen und plattformübergreifende Zahlungsstrukturen – und zeigt, dass diese sich häufig erst in der Gesamtschau erschließen. Klassische Einzeltransaktionsanalysen, wie sie im Bankenwesen vorherrschen, greifen hier strukturell zu kurz.

Ein auf der Studie aufbauendes Policy Brief richtet sich an Entscheidungsträger*innen in Politik, Finanzsektor und Plattformwirtschaft und fordert einen dringend nötigen Perspektivwechsel: Der Finanzsektor darf Ausbeutung nicht länger unbeabsichtigt ermöglichen, sondern muss zum aktiven Schutzakteur werden. Dafür braucht es unter anderem Rechtssicherheit für proaktiv handelnde Finanzdienstleister, eine verzahnte Finanzmarkt- und Plattformregulierung, verbindliche child-rights-by-design-Anforderungen an Monetarisierungsfunktionen – und vor allem eine institutionalisierte, sektorübergreifende Zusammenarbeit.

„Kleine Geldbeträge können gravierende Folgen für Kinder und Jugendliche haben, deren Vulnerabilität dabei systematisch ausgenutzt wird. Wer den Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum ernst nimmt, muss auch den Finanzströmen folgen! Politik, Finanzsektor und Plattformen müssen dabei konsequent zusammenarbeiten.”, so Antje Monshausen, Geschäftsführung ECPAT Deutschland. 

Die vollständige Studie sowie ein begleitendes Policy Brief auf Deutsch und Englisch mit Handlungsempfehlungen für Politik, Finanzakteur*innen, digitale Diensteanbieter und weitere Akteur*innen stehen ab sofort zur Verfügung.