Freiburg, 22. September 2026 – Sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen ist ein globales Problem. Weltweit nutzen Sexualstraftäter*innen touristische Infrastrukturen, um Kinder auszubeuten. Auch in Deutschland können Hotels, Ferienwohnungen und andere touristische Unterkünfte als Tatorte genutzt werden. Das zeigt die neue Studie „Zwischen Anonymität und Verantwortung. Kinder und Jugendliche vor sexueller Ausbeutung in touristischen Unterkünften in Deutschland schützen" von ECPAT Deutschland.
„Kein Land und keine Destination ist immun gegen sexuelle Ausbeutung – das gilt auch für Deutschland! Mit dieser Studie richten wir deshalb erstmals systematisch den Blick auf die Rolle touristischer Unterkünfte hierzulande und darauf, wie Kinder und Jugendliche bei uns besser geschützt werden können," erläutert Antje Monshausen, Geschäftsführerin von ECPAT Deutschland. Für die Studie wurden Interviews mit Expert*innen aus Tourismuswirtschaft, Strafverfolgung, Fachberatungsstellen sowie dem internationalen ECPAT-Netzwerk geführt. Aktuelle Lagebilder wurden ausgewertet und eine schriftliche Befragung von 175 Hotels durchgeführt.
Die Studie zeigt, dass die Digitalisierung die Rahmenbedingungen der sexuellen Ausbeutung grundlegend verändert: Die Anbahnung findet zunehmend online statt – auf Social Media Plattformen, in Online-Games oder privaten Chats. Für die Taten selbst werden aber weiterhin auch physische Orte genutzt – darunter Hotels oder Ferienwohnungen. Digitale Buchungsplattformen, kontaktlose Check-ins und kurzfristige Vermietungen ermöglichen Täter*innen einen schnellen und teilweise anonymen Zugang zu Unterkünften.
Kinderschutz im touristischen Alltag stärken
Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, können alle Arten touristischer Unterkünfte betroffen sein – von Ferienwohnungen und Budget-Hostels bis zur Business- und Luxushotellerie. Gleichzeitig können Unterkünfte eine wichtige Rolle beim Schutz von Kindern und Jugendlichen spielen. Geschulte Mitarbeitende können Warnsignale wahrnehmen, Verdachtsfälle weitergeben und dazu beitragen, dass Ausbeutung früher erkannt wird.
„Wir stellen Hotels und Unterkünfte nicht unter Generalverdacht. Im Gegenteil: Die Branche ist ein wichtiger Partner für mehr Kinderschutz. Mitarbeitende vor Ort können wichtige Hinweise wahrnehmen und dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche schneller Hilfe bekommen," so Monshausen.
Zugleich wird deutlich, dass die Bereitschaft, sich stärker für Kinderschutz zu engagieren in der Branche vorhanden ist. Dafür braucht es allerdings mehr Wissen und die Stärkung von Handlungskompetenz, zum Beispiel durch Schulungen, interne Meldeprozesse sowie die Zusammenarbeit mit Fachberatungsstellen und Strafverfolgungsbehörden vor Ort.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Kinderschutz ist dabei nicht allein Aufgabe einzelner Unterkunftsbetriebe. Auch Buchungsplattformen, Destinationen, Tourismusverbände, Strafverfolgungsbehörden und Politik müssen ihren Beitrag leisten. Dafür braucht es unter anderem verbindliche Kinderschutzmaßnahmen für Buchungsplattformen, eine stärkere Verankerung des Kinderschutzes in der Tourismuspolitik und den Ausbau regionaler Kooperationen.
Für ECPAT ist die Studie ein wichtiger Startpunkt. „Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass alle Akteure ihren Beitrag zum Kinderschutz leisten – von Hotels und anderen Unterkunftsbetrieben über Buchungsplattformen und Destinationen bis hin zu Politik und Behörden. Nur wenn alle Akteure zusammenarbeiten, können Schutzlücken geschlossen und Kinder und Jugendliche wirksam geschützt werden," sagt Antje Monshausen von ECPAT Deutschland.
Die Analyse „Zwischen Anonymität und Verantwortung. Kinder und Jugendliche vor sexueller Ausbeutung in touristischen Unterkünften in Deutschland schützen“ liegt als Langfassung und in einer gekürzten Form als Policy Brief vor.
ECPAT Deutschland stellt die Studie im 23.9.2026 von 12:00 bis 13:00 Uhr im Rahmen eines Lunch & Learn Webinars vor und diskutiert die Ergebnisse und Empfehlungen.
Rückfragen und weitere Informationen
Antje Monshausen, Tourismusexpertin und Geschäftsführerin von ECPAT Deutschland e.V., steht für Interviews zur Verfügung. Sie ist erreichbar unter 0151-15620404 oder monshausen@ecpat.de
Über ECPAT Deutschland e.V.
Die Kinderrechtsorganisation ECPAT Deutschland e.V. setzt sich für den Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt, Ausbeutung und Menschenhandel ein. Der Verein stärkt die Vernetzung, das Wissen und die Handlungskompetenz zum Kinderschutz und fordert konsequente Maßnahmen auf allen politischen Ebenen ein. ECPAT qualifiziert Fachakteur*innen und Netzwerke zum Schutz von Minderjährigen vor Menschenhandel und Ausbeutung. Darüber hinaus entwickelt der Verein Maßnahmen zum Schutz von Kindern im digitalen Raum und bei internationalen Reisen und fördert die Umsetzung von Kinderschutzkonzepten in Organisationen und Unternehmen. ECPAT Deutschland ist gemeinsam mit über 140 Mitgliedern in 115 Ländern Teil des internationalen Netzwerks ECPAT International mit Sitz in Bangkok.
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