Kinder und Flucht

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Kinder und Flucht 2022-03-08T09:43:45+00:00

Kinder und Flucht

Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Familie ihre Heimat verlassen mussten oder die unterwegs von ihren Angehörigen getrennt wurden, sind besonderen Risiken ausgesetzt und benötigen deshalb besonderen Schutz.

Fluchtursachen

Geflüchtete Kinder und Jugendliche, die sich allein auf den Weg machen bzw. von ihren Eltern getrennt wurden, sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt, Übergriffen sowie Ausbeutung und Menschenhandel zu werden. Dies betrifft sowohl die Reise selbst, wie auch den Aufenthalt nach der Ankunft. >>

Unterbringung in Deutschland

In Deutschland werden geflüchtete Minderjährige in Gemeinschafts- und Notunterkünften der Erstaufnahme, Nachfolgeunterkünften in den Kommunen, in Einrichtungen der Jugendhilfe, in Pflegefamilien oder in den einen Familien untergebracht. Doch es ist oft schwierig, die Kinder und Jugendlichen in einer Einrichtung zu halten. >>

Vormundschaft

Einer der zentralen Aspekte des Kinderschutzes im Kontext von Flucht und Migration sind Vormundschaftsregelungen. Der Vormund hat zur Aufgabe, die Interessen und das Wohl eines Kindes, das nicht unter elterlicher Sorge steht, in allen Angelegenheiten zu vertreten und zu befördern. So spielt der Vormund für den Schutz und die Sicherheit geflüchteter Kinder, die unbegleitet sind, eine wichtige Rolle. >>

Fluchtursachen

Geflüchtete Kinder und Jugendliche, die sich allein auf den Weg machen bzw. von ihren Eltern getrennt wurden, sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt, Übergriffen sowie Ausbeutung und Menschenhandel zu werden. Dies betrifft sowohl die Reise selbst, wie auch den Aufenthalt nach der Ankunft.

Die Gründe, den gewöhnlichen Wohnsitz zu verlassen, sind meist Krieg, bewaffnete Konflikte, Krisen und Gewalt, vor Unsicherheit in fragilen Staaten, Armut und Perspektivlosigkeit, Notsituationen und Naturkatastrophen, politischer Verfolgung oder Verfolgung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe. Die allgegenwärtige sexuelle Gewalt in Kriegs- und Konfliktgebieten und in fragilen Staaten hat als Fluchtursache eine hohe Bedeutung. Kinder und Jugendliche sind zudem von kinderspezifischen Fluchtursachen betroffen. Dazu gehören unter anderem Erfahrungen oder Androhung von sexueller Gewalt, Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung, Ausbeutung jeglicher Art, einschließlich Kinderarbeit, Kinderhandel oder Sklaverei, sexuelle Ausbeutung oder Ausbeutung im militärischen Bereich.

In einem Beitrag  für den Rundbrief “Perspektive 3/2020 ” des Flüchtlingsrat Baden-Württemberg bearbeitet ECPAT Deutschland die Situation minderjähriger Geflüchtete als Betroffene von Menschenhandel. Gewalt und sexuelle Ausbeutung sind als Fluchtursache und auf der Flucht so weit verbreitet, dass bei der Aufnahme von schutzsuchenden Kindern in Deutschland grundsätzlich von Gewalterfahrungen und konkreten Bedrohungen ausgegangen werden kann. Minderjährige Betroffene von Menschenhandel werden aber häufig nicht erkannt und erhalten so auch keinen Zugang zu spezifischer Hilfe.

Die Risikoanalyse der Kinderrechtsexpertin Daja Wenke im Auftrag von ECPAT verdeutlicht, dass sexuelle Gewalt und Ausbeutung, Bedrohungen und Angst für geflüchtete Kinder ein ständiger Begleiter sind. Oftmals sind Ausbeutung und Menschenhandel Ursache für die Flucht. Sie verweist auf die allgegenwärtige Gewalt und Ausbeutung in Kriegs- und Konfliktgebieten sowie in fragilen Staaten und bezeichnet sexuelle Gewalt als eine kinderspezifische Fluchtursache.

ECPAT Deutschland (2018) Risikoanalyse – 2015-2016 „Kinder auf der Flucht“ Risiken sexueller Gewalt für geflüchtete Kinder und Schutzbedarfe – Eine Bestandsaufnahme, Autorin: Daja Wenke

ECPAT hat auf Grundlage dieser Risikoanalyse Handlungsempfehlungen erarbeitet, die nach unserer fachlichen Einschätzung grundlegend sind, um den betroffenen Kindern Schutz und Unterstützung zukommen zu lassen.

ECPAT Deutschland (2018) Handlungsempfehlungen für Schutzmaßnahmen für geflüchtete Kinder angesichts der Risiken für sexuelle Gewalt.

Unterbringung in Deutschland

In Deutschland werden geflüchtete Minderjährige in Gemeinschafts- und Notunterkünften der Erstaufnahme, Nachfolgeunterkünften in den Kommunen, in Einrichtungen der Jugendhilfe, in Pflegefamilien oder in den einen Familien untergebracht. Doch es ist oft schwierig, die Kinder und Jugendlichen in einer Einrichtung zu halten.

Knapp 9.000 unbegleitete Minderjährige sind bis Juli 2016 verschwunden, so das Bundeskriminalamt. 867 von ihnen waren jünger als 13 Jahre alt. Dies kann „freiwillig“ sein, oft aber kann auch eine besondere Gefährdungssituation im Hintergrund Einfluss ausüben, z.B. Ausbeutung und Menschenhandel. Eher gefährdet sind unbegleitete Minderjährige, die kein Asyl beantragen sowie Angehörige von Minderheiten. Auch verschwinden weniger oft Kinder aus dauerhaften, kindgerechten Unterbringungseinrichtungen mit intensiver Betreuung. Dazu kommen individuelle Risikofaktoren wie z.B. Behinderungen, Krankheiten, Druck seitens der Familie im Herkunftsland oder seitens von Erwachsenen, die das Kind ausbeuten und in eine starke Abhängigkeit bringen.

Es ist daher von zentraler Bedeutung, in allen Formen der Unterbringung Kinderschutzmaßnahmen bzw. Gewaltschutzkonzepte einzuführen, um unbegleitete Kinder generell vor Gewalt und Ausbeutung besser schützen zu können bzw. ihnen rasch und professionell helfen zu können, sollten sie bereits Opfer von Gewalt geworden sind. Wichtige Maßnahmen eines Schutzkonzeptes sind beispielsweise Schutzzonen für Frauen und Kinder sowie entsprechende Meldeverfahren bei Verdacht auf eine Gefährdung.

Vormundschaft

Einer der zentralen Aspekte des Kinderschutzes im Kontext von Flucht und Migration sind Vormundschaftsregelungen. Der Vormund hat zur Aufgabe, die Interessen und das Wohl eines Kindes, das nicht unter elterlicher Sorge steht, in allen Angelegenheiten zu vertreten und zu befördern. So spielt der Vormund für den Schutz und die Sicherheit geflüchteter Kinder, die unbegleitet sind, eine wichtige Rolle.

In der Praxis ist die Qualität der Vormundschaft in Deutschland von Kommune zu Kommune unterschiedlich, da die Organisation und Finanzierung im Zuständigkeitsbereich der lokalen Jugendämter liegt.

Bisher gibt es keine bundesweit einheitlichen Standards für die Aus- und Fortbildung von Vormündern. Es fehlt auch an qualifizierten Angeboten für ihre Beratung und Begleitung. Bei der Ernennung des Vormunds und dem ersten Kontakt mit dem Mündel gibt es Verzögerungen, die den Zugang des Kindes oder Jugendlichen zu essentiellen Leistungen erschweren oder verhindern. Diese Verzögerungen und Schwankungen in der Qualität der Vormundschaft können zu Schutzlücken führen und ein erhöhtes Risiko für Gewalt oder Ausbeutung zur Folge haben.

ECPAT hat speziell zur Vormundschaftssituation minderjähriger Betroffener des Menschhandels die Studie „Fokus Vormundschaft“ (2016) veröffentlicht.

Mehr zu Kindern und Flucht:

"Das Geschäft mit der Not", eine Recherche von terre des hommes und ECPAT (2018)

 Am 30. Juli 2018 wurde von terre des hommes und ECPAT Deutschland die Broschüre "Das Geschäft mit der Not - Menschenhandel von geflüchteten Kindern und Heranwachsenden in Deutschland" herausgegeben.




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