Kindesschutz-Strategien

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Kindesschutz-Strategien 2020-09-15T14:37:55+00:00

Kindesschutz-Strategien

Für die Arbeit mit Kindern müssen Kindesschutz-Richtlinien zum Standard werden. Hier finden Sie einen Überblick über die Kernelemente einer Kindesschutz-Policy sowie über Beschwerdeverfahren.

Kindesschutz-Policy

Verantwortungsvolle Organisationen und Institutionen schaffen durch die Implementierung einer Kindesschutz-Policy ein Umfeld, in dem Kinder ohne Gewalt und Vernachlässigung aufwachsen können. Dies kann nur durch klar definierte Verantwortlichkeiten und Vorgehensweisen in den Bereichen Prävention, Krisenmanagement und Monitoring erreicht werden. >>

Beschwerdeverfahren

Kinder haben das verbriefte Recht, sich an den sie betreffenden Maßnahmen zu beteiligen und ihre Interessen auch in strukturelle Prozesse einzubringen. Organisationen und Institutionen, die direkt mit Kindern arbeiten, müssen ein Beschwerdeverfahren einrichten, in dem Kinder darüber Informationen erhalten, wohin sie sich um Rat und Hilfe bei Misshandlung, Missbrauch, Belästigung und Schikane wenden können. >>

Projekt: SAFE PLACES

Das Projekt SAFE PLACES hat sich zum Ziel gesetzt, Kinderschutz-Konzepte zum Thema sexualisierte Gewalt mit Institutionen und Organisationen zu erarbeiten, zu begleiten, umzusetzen und zu evaluieren. Dabei geht es sowohl um Prävention als auch Intervention bei Verdachtsfällen. Gerade für die Ausgestaltung von Orten, an welchen Kinder und Jugendliche betreut werden oder ihre Freizeit verbringen, haben die Erwachsenen einen besonderen Schutzauftrag. >>

Kindesschutz-Policy

Verantwortungsvolle Organisationen und Institutionen schaffen durch die Implementierung einer Kindesschutz-Policy ein Umfeld, in dem Kinder ohne Gewalt und Vernachlässigung aufwachsen können. Dies kann nur durch klar definierte Verantwortlichkeiten und Vorgehensweisen in den Bereichen Prävention, Krisenmanagement und Monitoring erreicht werden.

Eine Kindesschutz-Policy ist keine Aneinanderreihung von einzelnen Maßnahmen sondern ein auf die eigene Organisation abgestimmtes System. Ausgangspunkt der Erarbeitung einer Kindesschutz-Policy sollte immer eine Risikoanalyse sein, in der besondere Gefährdungen festgehalten und ein organisationsinterner Plan zur Erstellung entworfen wird. Die Hauptbestandteile jeder Kindesschutz-Policy sind:

  1. Selbstverpflichtung der Organisation zum Kindesschutz: Neben einem erklärenden Textteil über das Ziel und die Reichweite der Policy sowie den Definitionen von Gewalt gegenüber Kindern sollte in der Einleitung ein klares Bekenntnis zum Kindesschutz seitens der Organisation gegeben werden.
  2. Präventive Maßnahmen in der Personalpolitik: Zum einen sind Verhaltensrichtlinien für Mitarbeitende und weitere Personengruppen wichtig. Mit ihrer Unterzeichnung verpflichten sich alle, aktiv zu einem sicheren Umfeld für Kinder beizutragen. Zum anderen werden Kindesschutz-Standards in der Personalpolitik benötigt, die in allen Teilschritten des Auswahl- und Anstellungsverfahrens neuer Mitarbeitenden stets berücksichtigt werden sollen. Das gilt von der Stellenausschreibung bis hin zum Erfordernis eines (erweiterten) polizeilichen Führungszeugnisses. Auch umfassen sie Einarbeitungs- und Schulungsmaßnahmen für Mitarbeitende. Wenn nach außen sichtbar wird, dass mit allen Partner*innen im In- und Ausland eine Kultur der Achtsamkeit besteht, ist dies ein starkes Instrument zur Abwehr von potenziellen Täter*innen.
  3. Fallmanagement-System inkl. Beschwerdemechanismen: Ein funktionierendes und transparentes Fallmanagement-System ist ein wichtiger Bestandteil jeder Kindesschutz-Policy. Ziel ist es, bei Verdachtsfällen eine schnelle Untersuchung der Situation zu ermöglichen bzw. Fälle von Gewalt, Missbrauch und Misshandlung frühzeitig zu erkennen. Betroffene Kinder müssen geschützt und es muss ihnen Zugang zu Hilfsangeboten ermöglicht werden. Verdachtsfälle sind von einem dafür vorher berufenen unabhängigen Kindesschutz-Team (oder einer dafür beauftragten Ombudsperson) zu untersuchen, verfolgen und transparent zu dokumentieren.
  4. Umsetzung mit den Partnern im In- und Ausland: Wenn Organisationen mit Partnern, sowohl im Inland als auch im Ausland zusammenarbeiten, müssen sie dafür Sorge tragen, dass ihre Kooperationspartner ebenfalls Kindesschutz-Mechanismen umsetzen. In der Kindesschutz-Policy sollten beschrieben werden, wie diese Zusammenarbeit funktioniert.
  5. Monitoring und Weiterentwicklung der Policy: Maßnahmen, die nur auf dem Papier bestehen, sind nutzlos. Jede Kindesschutz-Policy sollte als ein lebendes Instrument angelegt werden, das weiterzuentwickeln und anzupassen ist. Dies sollte auf Grundlage von Prüf- und Monitoringprozessen erfolgen.

Eine Kindesschutz-Policy, die auf den oben genannten Elementen aufgebaut ist und welche die Würde der Kinder respektiert, kann zu einem entscheidenden Qualitätsmerkmal der Organisation/Institution werden.

ECPAT Deutschland e.V. berät und unterstützt Sie gerne beim Prozess der Entwicklung und Implementierung von Kindesschutz-Standards in Ihrer Organisation oder Einrichtung.

Beschwerdeverfahren

Kinder haben das Recht, sich an den sie betreffenden Maßnahmen zu beteiligen und ihre Interessen auch in strukturelle Prozesse einzubringen. Organisationen und Institutionen, die direkt mit Kindern arbeiten, müssen ein Beschwerdeverfahren einrichten, in dem Kinder darüber Informationen erhalten, wohin sie sich um Rat und Hilfe bei Misshandlung, Missbrauch, Belästigung und Schikane wenden können.

Die Organisation/Institution und ihre Mitarbeitenden sollten darauf hinarbeiten, Mädchen und Jungen mit und ohne Behinderung in ihren Rechten zu stärken und vor sexuellem, emotionalem oder physischem Missbrauch, Ausbeutung sowie Vernachlässigung zu schützen. Besonders Kinder in Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe haben ein Recht auf ein sicheres Umfeld, in dem die Einhaltung der Kinderrechte gewährleistet wird.

Das Bundeskinderschutzgesetz (BuKiSChG) schreibt die Anwendung von Beteiligungsverfahren und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche als Voraussetzung für die Erteilung einer Erlaubnis zum Betrieb einer Einrichtung fest. Kinder und Jugendliche haben einen eigenen Beratungsanspruch in Not- und Krisensituationen, auch ohne Kenntnis der Eltern.

Zur Umsetzung der sog. Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten müssen Kinder und Jugendliche zunächst über deren Rechte in der Einrichtung aufgeklärt sein. Zudem benötigt die Institution ein transparentes und schriftlich festgehaltenes Beschwerdeverfahren, in dem der Zugang zu Beschwerdemöglichkeiten für Kinder, Jugendliche, Mitarbeitende und Freiwillige und der Umgang sowie die Bearbeitung der Beschwerde beschrieben sind. Zusätzlich hat es sich bewährt, eine externe und unabhängige Ombudsstelle einzuführen.

Diese Vorkehrungen helfen dabei, allen oben genannten Personengruppen während und nach einem Vorfall oder einer Anschuldigung von Misshandlung oder einer Beschwerde Unterstützung zu bieten.

Projekt: SAFE PLACES

Das Projekt SAFE PLACES hat sich zum Ziel gesetzt, Kinderschutz-Konzepte zum Thema sexualisierte Gewalt mit Institutionen und Organisationen zu erarbeiten, zu begleiten, umzusetzen und zu evaluieren. Dabei geht es sowohl um Prävention als auch Intervention bei Verdachtsfällen. Gerade für die Ausgestaltung von Orten, an welchen Kinder und Jugendliche betreut werden oder ihre Freizeit verbringen, haben die Erwachsenen einen besonderen Schutzauftrag. Um Kinder wirksam zu schützen, benötigen Institutionen, Organisationen oder Vereine Strategien, um für Kinder sichere Orte zu entwickeln.
Dazu bietet ECPAT Beratung, Schulungen sowie Risikoanalysen und Evaluation. Außerdem umfassen die Projektaktivitäten auch Lobby-Arbeit, um die Rahmenbedingungen für Kinderschutz zu verbessern und zu standardisieren.

Wichtiger Bestandteil des Projektes ist ein partizipativer Prozess, der frühzeitig die Mitarbeitenden aktiv einbezieht. Außerdem wird im Rahmen der Projektaktivitäten auch die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an den Prozessen gestärkt werden.

Eckdaten des Projektes:
Kooperationsprojekt mit Partnern aus Österreich zur Stärkung des Kinderschutzes in Österreich und Deutschland.

Laufzeit: 1. September 2019 – 31. August 2021

Projektleitung: ECPAT Österreich

Projektpartner: Netzwerk Kinderrechte Österreich, Bundesverband österreichischer Kinderschutzzentren, ECPAT Deutschland

Aktivitäten:
Beratung von Organisation und Institution, um eine Kindesschutz-Policy zu erarbeiten und umzusetzen
Schulung von Mitarbeitenden zum Thema
Lobby- und Advocacy-Arbeit
Länderübergreifenden Austausch
Entwicklung von Qualitätsstandards für Kinderschutz-Konzepte, insbesondere bzgl. Partizipation

Mit dem Projekt SAFE PLACES macht sich ECPAT dafür stark, dass jede Institution/Organisation die für oder mit Kindern und Jugendlichen arbeitet eine entsprechende Kinderschutz-Strategie hat und diese umsetzt.

Förderung durch die Europäische Union

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Max Frisch, Briefe

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